05634 / 994818 E-Mail

Persönlicher Nachruf auf Dr. Andreas Salzmann

Persönlicher Nachruf auf Dr. Andreas Salzmann

von Stefan Ginder

Spuren statt Staub

Wer war Dr. Andreas Salzmann? Für mich war er ein Mensch, der nicht nur Humor besaß, sondern die seltene Gabe, andere zu bestärken, zu ermutigen und ihnen Halt zu geben. 
In unzähligen Situationen war er das Rückgrat unserer gemeinsamen politischen Arbeit im Landkreis Waldeck‑Frankenberg.

Es war die Tiefe seiner Persönlichkeit, seine überlegene Gelassenheit, die mich auch Wochen nach seinem Tod mit Dankbarkeit erfüllt. Wenn Probleme die Sicht verstellten und alles aussichtslos schien, kam von ihm stets derselbe Satz – ruhig, fest, unerschütterlich: 
„Es wird sich alles regeln.“

Diese Worte klingen in mir nach wie der tiefe Schlag des Dicken Pitter in Köln – ein Ton, der nicht einfach gehört, sondern als Raum, als Volumen wahrgenommen wird und lange nachschwingt. So war Andreas: ein Mensch, dessen Wirkung blieb.



Ein Leben voller Willenskraft

Im Herbst 2024 brachte ihn ein Sturz mit anschließender Lungenentzündung in eine lebensgefährliche Lage. Doch er erholte sich – wie so oft – auf beinahe wundersame Weise und nahm später wieder an Kreistagssitzungen teil. Erst am Tag seiner Beerdigung erfuhr ich, dass ihn seine Krankheit bereits seit zwölf Jahren begleitete.

Seine Gesundheit schwand, aber sein Wille nicht. Sein Optimismus war so außergewöhnlich, dass er im Rückblick fast „außerirdisch“ erscheint. Seine Diskussionsfreude war beispielhaft – geprägt von Argumenten, nicht von akademischer Überheblichkeit.

Oft reichte ich ihm meine Schulter, wenn ich ihn aus dem Auto in unseren „Kreißsaal“ begleitete – jenen Ort, den wir mit einem Augenzwinkern so nannten, weil dort das bewusste und gewollte Missverstehen beinahe zum Inventar gehörten.




Elf Jahre Weggefährten

Über elf Jahre standen wir Seite an Seite. Wir sahen die AfD im Landkreis wachsen, wir verloren Menschen, gewannen neue, und wir erlebten die Höhen und Tiefen der Kommunalpolitik. Unsere Anträge wurden alle abgelehnt, unsere Reden gern missverstanden, und wir mussten uns gegen Unterstellungen behaupten. 
Doch wir blieben standhaft – Fels in der Brandung, Stachel im Fleisch derer, die uns ablehnten.

Andreas ließ sich trotz Krankheit für die Kommunalwahl 2026 auf Listenplatz 10 setzen. 
Dass er seine Energie nicht mehr einbringen kann, erfüllt mich mit tiefer Traurigkeit.

Seine Beerdigung markierte für mich selbst einen Wendepunkt. Am 6. Dezember 2025 legte ich meine politischen Ämter nieder – nicht mein politisches Wirken, aber die jahrelange Doppel‑ und Dreifachbelastung. Zur Kommunalwahl trete ich weiterhin an, jedoch bewusst auf Platz 4. Auch meine Gesundheit fordert ihren Tribut. Andreas und ich waren überzeugt, dass die jüngeren Gesichter nun die richtigen für die kommende Legislaturperiode sind.


Das „Bällchenbad“

Ich sehe noch sein Leuchten in seinen Augen, als ich ihm vor Jahren von meinem Plan erzählte. „Ja, Stefan, mach das.“ Was als humorvolle Idee begann, wurde mit der Zeit zu einem ernsthaften Anliegen. Nach seinem Tod wurde es mir ein Bedürfnis, diesen Antrag einzubringen. Am 29. Januar 2026, wenn der Tagesordnungspunkt behandelt wird, weiß ich, dass er hinter mir stehen würde.


Erinnerungen an schwere Zeiten

Während der Corona‑Zeit hatten einige von uns Maskenbefreiungen, andere nicht. 
Andreas – promovierter Chemiker – beschäftigte sich intensiv mit wissenschaftlichen Vorträgen aus den USA und warnte in seinem Umfeld vor möglichen Risiken der Impfstoffe. In einer Kreistagssitzung wurde er ohne Maskenbefreiung ausgeschlossen. Auch das ertrug er mit stoischer Ruhe – und mit einer Menschlichkeit, die selbst denen galt, die ihm feindselig begegneten.






Wahrheit und Widerspruch

Einmal sprach ich im Kreistag von unserer „Waldecker Prawda“. Das Raunen im Saal war groß – dabei bedeutet Prawda schlicht „Wahrheit“. Doch in Zeiten, in denen Ideologie oft stärker wirkt als Wahrheit, wird selbst ein Wort zum Politikum.

Der offizielle Nachruf, den wir einreichen wollten, wurde von der Zeitung abgelehnt oder nur gegen hohen Anzeigenpreis akzeptiert. Wer Andreas kannte, wusste jedoch, dass Bescheidenheit zu seinem Wesen gehörte. So entschieden wir, die Anzeige nicht zu schalten.

Nachruf 

Der Kreisverband Waldeck-Frankenberg der Alternative für Deutschland trauert um Dr. Andreas Salzmann Battenberg (Eder)

Der Gründervater der AfD im Landkreis Waldeck-Frankenberg hat uns am 20. November 2025 auf unserem „rechten Weg“ verlassen.

Wir verlieren einen aufrichtigen und treuen Freund, der uns mit seiner menschlichen Wärme, seinem feinen Humor und seiner besonnenen Art durch gute wie schwere Zeiten getragen hat.

Sein Wirken reichte weit über die politische Arbeit hinaus. Er hinterlässt Spuren in unserer Partei, in unserem Landkreis und in den Herzen all jener, die ihn kannten und schätzten.

Seiner Familie gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Wir trauern mit ihnen um einen Menschen, der Spuren hinterlässt.

AfD-Kreisverband Waldeck-Frankenberg Nicola Nikolaiczek, Kreissprecherin

AfD-Kreistagsfraktion Waldeck-Frankenberg Stefan Ginder, Fraktionsvorsitzender

Was bleibt

Andreas war ein Gegner jeder Denk‑ und Sprechverbote. Der „rechte Weg“, von dem wir sprachen, war für uns ein moralischer Begriff – ein Weg der Aufrichtigkeit, nicht der politischen Etiketten.

Was von unserer Zeit bleiben wird, ist eine Epoche intensiver gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Viele Menschen ziehen historische Parallelen, wenn sie über Ausgrenzung, politische Lagerbildung oder moralische Überhöhung sprechen. Diese Vergleiche spiegeln die Wahrnehmung wider, die manche in politischen Gremien wie dem Kreistag erleben.

Doch all das tritt zurück, wenn ich an Andreas denke.

Denn er war durch nichts und niemanden zu ersetzen. Er muss es auch nicht.

Was bleibt, ist sein Wirken. Seine Bescheidenheit. Seine Menschlichkeit. 
Und die Dankbarkeit seiner Weggefährten.

Adieu, Andreas. Wir werden dich nicht vergessen.

Zum Inhalt springen